Frau Meyer Pitton, (wie) kann man allen Menschen und Mitarbeitenden beim SEM gerecht werden?
Wir müssen versuchen, ein Arbeitsumfeld zu schaffen, in dem sich die Menschen unabhängig von sozialen Kategorien und ihrem Arbeitsinhalt sicher fühlen und sich entwickeln können. Alles beruht auf Würde, Respekt und Integrität. Chancengleichzeit herzustellen ist aber immer ein Prozess.
Wie meinen Sie das genau?
Dies alles passiert nicht von selbst. Es steckt eine Menge Arbeit und auch Umdenken dahinter. Absolute Gerechtigkeit ist ein idealer Endzustand, den wir nie ganz erreichen werden. Aber wir können die Machtverhältnisse hinterfragen und verändern. Es wird immer wieder neue Aufgaben und Kategorien geben.
Wieso ist das Thema so wichtig und warum erhält es zurzeit so viel Aufmerksamkeit?
Die Vielfalt von uns Menschen ist eine Tatsche. Auch, dass wir in verschiedenen Formen leben. Und dass es immer eine Aushandlung gibt, wessen Vielfalt gerade als Norm gilt, wer dazugehört und wer mitreden darf. Machtverhältnisse bauen auf tatsächlichen oder zugeschriebenen Unterschieden auf. Es ist ein Urthema der Menschheit. Heute können im Vergleich zu früher einfach mehr Menschen mitreden und sich einbringen.
Das tönt anstrengend. Können Sie uns das erklären?
Das Thema Chancengleichheit / Diversity & Inclusion braucht eine grosse Frustrationstoleranz. Es geht meist nur in kleinen Schritten vorwärts, und manchmal leider auch wieder rückwärts. Sicher, es braucht Kraft und Ressourcen, doch es offenbart auch äusserst vielfältige und faszinierende Aspekte.
Faszinierend, aber sicher auch komplex. Wie kann man diese Thematik den Menschen zugänglicher machen?
Grundsätzlich sind wir alles Menschen – es gibt keinen Grund, dass jemand wegen Äusserlichkeiten oder Fähigkeiten weniger oder mehr wert ist. So gesehen ist es gar nicht so komplex. Wir müssen nur die Limiten der anderen respektieren. Wichtig ist ausserdem, dass darüber gesprochen wird und dass wir versuchen, uns in andere Situationen hineinzuversetzen.