«Wenn sich in einem Land die Ereignisse derart überstürzen wie in Afghanistan, benötigen die Asyl-Spezialistinnen, aber auch weitere SEM-Stellen tagesaktuelle Updates über die Situation vor Ort», fährt er fort. Das sei gerade in solchen Krisensituationen alles andere als einfach: «Zu Beginn konnten wir uns fast nur auf die Medien und Social-Media-Kanäle abstützen». Ihm habe sein gutes Netzwerk mit Analysten anderer europäischer Asylbehörden, mit Nichtregierungs- und Menschenrechtsorganisationen, mit den diplomatischen Vertretungen der Schweiz geholfen. Denn die Länderanalyse brauche eine solide Quellenbasis – das heisst, eine Information müsse nicht nur überprüft, sondern mindestens von einer anderen Quelle bestätigt werden.
Gerade auf Social Media sei das Risiko, von Fake News oder Desinformation getäuscht zu werden, relativ gross. «Es kann gut ein, dass zwei Twitter-Accounts die gleiche Information teilen, sich also scheinbar bestätigen. Aber unter Umständen sind sie der sogenannten ‘false confirmation’ erlegen, weil sie sich beide auf jene Quelle berufen, die Falschinformationen verbreitet.» Darum, so der Analyst, sei es wichtig, dass er auch den Kontext der Quelle kenne, also wisse, welche Interessen sie beispielsweise verfolge. «Amnesty International oder Human Rights Watch sind transparent und dokumentieren stets ihre Methodologie. Aber auch sie folgen einer eigenen Agenda, genauso wie die Regierungen der USA oder des Irans eigene Interessen haben, wenn sie Berichte veröffentlichen.»