Die Vorlehre macht Schule

Die Integrationsvorlehre «INVOL» bereitet Geflüchtete gezielt auf eine berufliche Grundbildung vor. In den vergangenen drei Jahren haben schweizweit bereits über 2'400 Personen am Pilotprogramm teilgenommen. Zwei Drittel von ihnen fanden dank der INVOL eine Lehrstelle. Neu können auch Personen ausserhalb des Asylbereichs am Programm teilnehmen.

Wie läuft ein INVOL-Jahr ab? Pfeil nach unten

Die Integrationsvorlehre INVOL dauert ein Jahr und ist wie die anschliessende Berufslehre dual aufgebaut: Die Teilnehmenden arbeiten in der Regel während drei Tagen pro Woche in einem Betrieb, wo sie praktische Erfahrungen sammeln. Neben dieser praktischen Ausbildung erwerben sie in der Berufsfachschule erste Grundlagen zum Berufsfeld und besuchen intensive, auf die Arbeitswelt und das Berufsfeld ausgerichtete Sprachkurse.

Die INVOL ist ein von Bund, Kantonen und interessierten Wirtschaftsverbänden (v.a. Organisationen der Arbeitswelt, OdA) partnerschaftlich getragenes Programm. Die enge Zusammenarbeit mit der Wirtschaft ist ausschlaggebend für die Anschlussfähigkeit der Teilnehmenden in die Lehre. So wurden die berufsfeldspezifischen Ausbildungsgrundlagen mit 14 nationalen OdA erarbeitet und laufend erweitert.

An wen richtet sich das Programm? Pfeil nach unten

Hauptzielgruppe der Integrationsvorlehre INVOL sind geflüchtete Jugendliche und junge Erwachsene. Die INVOL knüpft an die Fähigkeiten und (Arbeits-) Erfahrungen der Teilnehmenden an, die sie aus ihren Herkunftsländern mitbringen.

Seit Sommer 2021 steht das Programm auch Jugendlichen und jungen Erwachsenen ausserhalb des Asylbereichs offen. Im Fokus stehen Personen aus EU/EFTA- sowie Drittstaaten mit einem Ausbildungsbedarf, sprich Zugewanderte, die über keinen Berufsabschluss oder anderen Abschluss auf Stufe Sek II verfügen.

Schaffen die Teilnehmenden den Sprung in eine Lehre? Pfeil nach unten

In den ersten drei Durchgängen haben knapp zwei Drittel der Teilnehmenden nach dem INVOL-Jahr eine Anschlusslösung in der beruflichen Grundbildung (2-, 3- oder 4-jährige Lehre) gefunden. Diese erfreulichen Anschlussquoten sind den engagierten Programmpartnern und der Motivation der Teilnehmenden zu verdanken. Die Anforderungen für den Übertritt in eine Lehre sind jedoch hoch und die Pandemie stellt die umsetzenden Stellen und Teilnehmenden vor zusätzliche Herausforderungen.

Wie geht es weiter mit dem Pilotprogramm? Pfeil nach unten

Das Pilotprogramm läuft noch bis im Sommer 2024. Aufgrund des vielversprechenden Starts und gestützt auf die Motion 21.3964, die in der Wintersession 2021 vom Parlament angenommen wurde, erarbeitet das SEM bis voraussichtlich Herbst 2022 ein Konzept für eine Verstetigung des Programms über die Pilotphase hinaus (ab Sommer 2024). Die Projektarbeiten dazu sind angelaufen.

Ein geglücktes Experiment

Foto Aiperi Nagy SEM

«Vor zweieinhalb Jahren kam ich in die Schweiz. Und schon am nächsten Tag ging ich zur Sprachschule, um Deutsch zu lernen. Mein Mann hatte das so organisiert. Wir haben uns beim Auslandstudium in Moskau kennengelernt. Nach der Heirat bin ich dann von meiner Heimat Kirgisistan zu ihm gezogen. Man sagt, Kirgisistan sei die Schweiz Zentralasiens. Aber zwischen der Grossstadt Bischkek und Langnau im Emmental gab es dann doch ein paar Unterschiede, an die ich mich gewöhnen musste. Ich merkte bald: Ausser meinem Mann hat niemand hier auf mich gewartet. Wenn ich hier selbständig und finanziell unabhängig werden wollte, musste ich schnell eine Ausbildung beginnen, um im hiesigen Arbeitsmarkt eine Chance zu haben. Ein Bekannter machte mich zu jener Zeit auf das Pilotprogramm INOVL+ aufmerksam - eine Vorlehre, die Migrantinnen und Migranten gezielt und praxisorientiert auf eine Berufslehre vorbereitet. Das war genau das, wonach ich gesucht hatte und ich bewarb mich auf eine von zwei INVOL+-Stellen beim Staatssekretariat für Migration SEM. Nie hätte ich gedacht, dass das klappen würde. Aber es hat geklappt. Und ich wurde zur ersten INVOL+Lernenden im SEM im Berufsfeld KV. Es hatte etwas von einem Experiment. Ich arbeitete drei Tage die Woche im Abteilungssekretariat und ging zwei Tage in die Berufsfachschule. Vieles erlebte ich anders als in Kirgisistan: Die flachen Hierarchien, der kollegiale Umgangston, die Karrierechancen für Frauen. Das war alles sehr motivierend und ich habe mich voll engagiert. Dann, nach einem halben Jahr habe ich das Angebot erhalten, hier im SEM anschliessend meine dreijährige Berufslehre als Kauffrau EFZ zu machen. Ich war überglücklich. Nachdem ich in Kirgisistan Öffentliche Verwaltung studiert habe, ist mir hier in der Schweiz nun der Berufseinstieg in die Verwaltung gelungen. INVOL+ sei Dank. Experiment geglückt, würde ich sagen!»

Nagy Aiperi
Lernende
Abteilung Einreise, SEM