«Vor zweieinhalb Jahren kam ich in die Schweiz. Und schon am nächsten Tag ging ich zur Sprachschule, um Deutsch zu lernen. Mein Mann hatte das so organisiert. Wir haben uns beim Auslandstudium in Moskau kennengelernt. Nach der Heirat bin ich dann von meiner Heimat Kirgisistan zu ihm gezogen. Man sagt, Kirgisistan sei die Schweiz Zentralasiens. Aber zwischen der Grossstadt Bischkek und Langnau im Emmental gab es dann doch ein paar Unterschiede, an die ich mich gewöhnen musste. Ich merkte bald: Ausser meinem Mann hat niemand hier auf mich gewartet. Wenn ich hier selbständig und finanziell unabhängig werden wollte, musste ich schnell eine Ausbildung beginnen, um im hiesigen Arbeitsmarkt eine Chance zu haben. Ein Bekannter machte mich zu jener Zeit auf das Pilotprogramm INOVL+ aufmerksam - eine Vorlehre, die Migrantinnen und Migranten gezielt und praxisorientiert auf eine Berufslehre vorbereitet. Das war genau das, wonach ich gesucht hatte und ich bewarb mich auf eine von zwei INVOL+-Stellen beim Staatssekretariat für Migration SEM. Nie hätte ich gedacht, dass das klappen würde. Aber es hat geklappt. Und ich wurde zur ersten INVOL+Lernenden im SEM im Berufsfeld KV. Es hatte etwas von einem Experiment. Ich arbeitete drei Tage die Woche im Abteilungssekretariat und ging zwei Tage in die Berufsfachschule. Vieles erlebte ich anders als in Kirgisistan: Die flachen Hierarchien, der kollegiale Umgangston, die Karrierechancen für Frauen. Das war alles sehr motivierend und ich habe mich voll engagiert. Dann, nach einem halben Jahr habe ich das Angebot erhalten, hier im SEM anschliessend meine dreijährige Berufslehre als Kauffrau EFZ zu machen. Ich war überglücklich. Nachdem ich in Kirgisistan Öffentliche Verwaltung studiert habe, ist mir hier in der Schweiz nun der Berufseinstieg in die Verwaltung gelungen. INVOL+ sei Dank. Experiment geglückt, würde ich sagen!»
Nagy Aiperi
Lernende
Abteilung Einreise, SEM