Die zentrale Mittelmeerroute besteht aus mehreren Subrouten die alle in Italien respektive im Seegebiet südlich von Italien enden. Von Tunesien aus stechen primär tunesische und ivorische Staatsangehörige in See. Von Libyen aus sind es Menschen aus West- und Ostafrika, aus Ägypten und aus Bangladesch. Von der Türkei aus sind es vor allem afghanische, iranische, irakische und syrische Staatsangehörige.
Die Migration auf der zentralen Mittelmeerroute nahm 2022 erneut deutlich zu. Insgesamt trafen 105 100 Personen in Süditalien ein. Das sind rund 37 700 Personen mehr als im Jahr 2021 (67 500). Es ist der höchste Wert seit dem Jahr 2017 (119 400 Personen).
Die wichtigste Subroute war 2022 diejenige aus Libyen mit über 52 500 Personen. Stachen im Vorjahr praktisch alle Personen von Westlibyen aus in See, so nahmen im Verlauf des Jahres 2022 die Anlandungen aus Ostlibyen zu. Die Subroute aus Tunesien (32 800 Personen) war wie im Vorjahr die zweitwichtigste Route nach Italien. Die Migration auf der Subroute aus der Türkei (18 000 Personen) nahm erneut zu. Hintergrund für diese Entwicklung dürfte die weiterhin starke Überwachung der türkisch-griechischen Seegrenze sein, die zu einer Umlenkung eines Teils der Migration nach Italien führte. 2022 landeten mehr Personen mit Abfahrtsort in der Türkei in Italien an als auf dem Seeweg von der Türkei aus Griechenland erreichten. Weitere Migranten, die Italien erreichten, hatten ihren Abfahrtsort im Libanon (1600 Personen) und in Algerien (1200).
Bis vor einigen Jahren bestand ein klarer Zusammenhang zwischen der Anzahl der Anlandungen in Süditalien und der Zahl der Asylgesuche in der Schweiz. Nahmen die Anlandungen zu, stiegen in der Schweiz die Asylgesuche, trafen weniger Personen in Süditalien ein, sanken die Gesuche wieder. Dies ist zurzeit nicht der Fall. Die Entwicklung der Migration über das zentrale Mittelmeer bleibt für die Schweiz jedoch langfristig von hoher Bedeutung.