Kabul - Zürich - Biberbrugg

Mitte August 2021 übernahmen die Taliban in Afghanistan die Macht. Die alliierten Streitkräfte, angeführt von den USA, zogen sich nach 20-jähriger Präsenz vollständig aus dem Land zurück. Unter der Bevölkerung machte sich Panik breit. Viele Menschen befürchteten nicht nur die Wiedereinführung von Verboten und rigiden Gesetzen, sondern sahen ihr Leben im Land am Hindukusch unmittelbar bedroht.

Bis Ende August evakuierte die Schweiz gegen 400 Personen aus Afghanistan. In grosser Gefahr befanden sich damals vor allem Personen, die sich für schweizerische Organisationen eingesetzt oder gar für diese gearbeitet hatten. Das galt auch für Rahmatullah und dessen Familie. Er erzählt die Geschichte seiner Flucht – von den bangen Momenten am Flughafen von Kabul über den warmen Empfang in der Schweiz bis hin zu seinen ersten Integrationsbemühungen.

Haus in Kabul
«Für dieses Haus im Zentrum von Kabul habe ich 16 Jahre lang Geld gespart. Darum konnte ich meiner Frau nicht jede Woche Kleider kaufen, Luxus haben wir uns keinen gegönnt. Wir legten alles für ein eigenes Haus zurück. Leider konnten wir nur eine Woche darin wohnen. Dann mussten wir fliehen vor den Taliban.»
Img2 zwei Maedchen
«Das ist auf dem Flughafengelände in Kabul. Nach fünf oder sechs Versuchen konnten wir endlich den Checkpoint passieren. Es war extrem hart, auch wegen der extremen Hitze vor Ort. Meine Mutter brach beim Warten zusammen, die ältere Tochter hyperventilierte. Deutsche Soldaten gaben uns dann Wasser zum Trinken.»
3 Flughafen
«Bei den Gates am Flughafen gab es täglich Tote. Der Bach, der dort vorbeiführt, war rot wegen des vielen Blutes.»
4 Flug
«Hier sind wir zusammen mit etwa 300 anderen Menschen an Bord eines deutschen Evakuationsflugzeuges, das uns von Kabul nach Taschkent brachte. Meine Mutter und meine Frau nahmen in Sitzen Platz, die Töchter und ich sassen auf dem Boden der Maschine. Von Taschkent ging es dann über Frankfurt nach Zürich. Wir waren etwa 36 Stunden unterwegs.»
5 Zuerich
«Als wir Zürich am späten Abend des 25. August erreichten, waren wir völlig übermüdet. Das kam auch daher, dass sich bei uns nach der geglückten Flucht endlich die Anspannung löste.»
6 Zuerich see
«Dieses Erlebnis war sehr speziell für uns, denn wir sassen zum ersten Mal in einem Boot, bewegten uns auf dem Zürichsee zum ersten Mal über Wasser. Meine Mutter schickte sofort ein Bild an meinen Vater, der in Afghanistan zurückgeblieben war.»
7 essen im BAZ
«Im Bundesasylzentrum Zürich war alles anders, wir mussten nicht mehr in ständiger Angst leben. Es war sehr eindrücklich und schön zu erleben, wie die Schweiz die Flüchtlinge aus allen Ländern willkommen heisst. Der Anlass von Cuisine sans frontières hat uns sehr berührt. Wir konnten hautnah miterleben, wie die Schweizer kochen. Und in Afghanistan würden Leute aus dem Office niemals für Flüchtlinge kochen. Dort machen das Büro-Leute nicht. In der Schweiz ist das anders, das hat uns gefreut.»
8 Essen mit Freunde
«Gemeinsam mit Freunden zu essen ist fest in der afghanischen Kultur verwurzelt. Hier haben wir bei Bekannten in Bern ‘Kabuli palaw’ gekocht, das afghanische Nationalgericht aus Reis, Karotten, Rosinen und Lamm. Meine Mutter hat es sehr genossen. Doch sie vermisst noch ein wenig den typischen afghanischen Grüntee. Aber sie hat jetzt hier im Integrationszentrum Biberhof begonnen, afghanisch zu kochen.»
9 Weihnachten
«Wir haben zum ersten Mal den Samichlaus gesehen und Weihnachten gefeiert. Auch sind wir nach Zürich gefahren, um dort die wunderschöne Weihnachtsbeleuchtung in den Strassen zu bestaunen. Obwohl ich mehrmals pro Woche einen Morgen lang in den Deutschkurs gehe, kennen unsere Töchter schon viel mehr deutsche Wörter.»
10 Maedchen Schnee
«Klar, am Hindukusch wissen wir, was Schnee ist. Aber wegen der Dürre in den letzten Jahren, sahen wir lange keinen Schnee mehr. Es gibt generell zu wenig Wasser in Afghanistan. Als wir dem Vater die Bilder aus der Schweiz schickten mit Schnee, Wasser und den grünen Wiesen, meinte er, er wolle dann Schafe züchten, wenn er auch in die Schweiz komme. Das seien sehr gute Voraussetzungen.»